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Bauthermografie

Die Bauthermografie dient der energetischen Bewertung der Gebäudehülle und kann darüber hinaus weitere Untersuchungen zur Qualitätskontrolle am Bauwerk beinhalten.
Die Thermografie von Gebäuden erfolgt zunächst von außen und ermöglicht damit die großflächige Begutachtung der Wärmedämmung. Auffällige Details, wie z.B. schlecht gedämmte Deckenauflagen oder die Wärmeabstrahlung von Sockelabschlussleisten an einem WDVS, können als Nahaufnahme genauer untersucht werden. Die Begutachtung thermischer Schwachstellen verlangt aber auch die Innenthermografie. Insbesondere Wärmebrücken an Laibungen, Deckenauflagen oder Bodenplatten werden an der Gebäudeinnenseite deutlicher dargestellt. Geometrische Wärmebrücken, wie der Außenwinkel, können nur von innen erfasst werden, da diese von außen kühler als die umgebenden Fassadenteile sind und daher den falschen Eindruck einer besonders guten Wärmedämmung hervorrufen können.
Die Thermografie ist immer nur eine Momentaufnahme der Temperaturverhältnisse. Quantitative Aussagen zu den wärmetechnischen Eigenschaften von Bauteilen, insbesondere die Berechnung des U-Wertes, verlangen stationäre Zustände, die am realen Gebäude selten eintreten (siehe dazu die Ausführungen unter Raumklima-Langzeitmessungen). Wesentlich für instationäre Zustände sind die Phasenverschiebung der Temperaturschwankungen auf dem Weg von außen nach innen, Sonneneinstrahlung, Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht, schwankende Heizleistung und Windeinwirkung. Die Gebäudethermografie setzt folgende Randbedingungen voraus:
  • Temperaturdifferenz zwischen innen und außen möglichst > 15 K. Geringere Unterschiede sind möglich, haben aber ungenauere Ergebnisse zur Folge (nur für Grobeinschätzung)
  • Stabile Temperaturdifferenzen innerhalb der letzten 6-8 Stunden vor der Messung
  • Keine Sonneneinstrahlung auf die zu untersuchenden Bauteile bis 10 Stunden vor der Messung. Untersuchung daher früh morgens oder bei bedecktem Himmel durchführen.
  • Fassaden müssen trocken sein - kein Niederschlag
  • Windgeschwindigkeit < 3 m/s
  • Außenwandheizungen müssen 6 Stunden vor Messbeginn abgestellt werden, wenn die Wärmeabstrahlung die Beurteilung der Wärmebrücken beeinflusst. Die Heizung erfolgt dann über die anderen Räume oder eine nicht störende Zusatzheizung.
  • Fenster müssen 6 Stunden vor der Untersuchung geschlossen werden.
Eine wichtige Bedeutung bei der Qualitätskontrolle an Gebäuden kommt der Thermografie im Zusammenwirken mit der Blower-Door Technik zu. Das betrifft insbesondere die Prüfung der Dichtheit der Dampfbremse (siehe dazu Blower-Door-Messung).
Eine Auswahl typischer, bei bisherigen Untersuchungen festgestellter Baumängel wird im Folgenden anhand von Thermografien erläutert:

Bodenplatte und Deckenauflage mangelhaft gedämmt. Das nachträgliche Dämmen der Bodenplatte führt meist zu einem unerwünschten Sockel und ist daher nur minimal möglich.
An der Deckenauflage bildet der Faserzementfuß der Deckenrandschalung den Schwachpunkt.
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Erhöhte Wärmeverluste durch obere Fensterlaibung. Heizkörper unter den Fenstern führen zu erhöhter Wärmeabstrahlung. Der Einsatz von aluminiumkaschierten Dämmplatten hinter den Heizkörpern ist empfehlenswert. Die Wärmeabstrahlung am Ringanker kommt von dort verlegten Heizleitungen.Bauthermografie - 2.jpg - Thumbnail
Untersuchungen zur Planung von Sanierungsmaßnahmen an einer Villa.Bauthermografie - 3.jpg - Thumbnail
Gebäude aus den 60er Jahren. Wärmebrücken an der Kellerdeckenauflage und am Sturz bzw. der Deckenauflage zum Obergeschoss. Am linken Fenster ist die Wärmeabstrahlung des Heizkörpers sichtbar. Nachfolgendes Bild ist die Innenaufnahme vom Raum hinter dem rechten Fenster.Bauthermografie - 4.jpg - Thumbnail
Innenaufnahme von der Fassade des vorangehenden Bildes. Starke Abkühlung unterhalb der Deckenauflage.Bauthermografie - 5.jpg - Thumbnail
Plattenbauweise: Starke Wärmeabstrahlung an den Fugen.Bauthermografie - 6.jpg - Thumbnail
Industriegebäude. Punktförmige Wärmeabstrahlung an der unteren Fassade. Ursache war ein etwa 10 cm großes Loch in der Wärmedämmung, der hinter der Vorhangfassade befindlichen Leichtbaukonstruktion.Bauthermografie - 7.jpg - Thumbnail
Bürogebäude: Thermisch nicht entkoppelter Betonpfeiler.Bauthermografie - 8.jpg - Thumbnail
Energetische Untersuchung an einem Hangar der Lufthansa.Bauthermografie - 24.jpg - Thumbnail
Wärmeverluste an einem Träger eines Flugzeughangars. Deutlich ist die Abkühlung in Richtung Glasfassade sichtbar.Bauthermografie - 9.jpg - Thumbnail
Flachdach einer Industriehalle. Linienförmige Wärmebrücken durch ungenügende Befestigung der Dämmplatten (Spalte von ca. 1 cm). Dazugehörige Innenthermografie im nächsten Bild.Bauthermografie - 10.jpg - Thumbnail
Innenaufnahme des vorangegangenen Bildes. Partielle Abkühlung sichtbar. Die Energieverluste durch diese linienförmigen Wärmebrücken rechtfertigen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Sanierung des Daches.Bauthermografie - 11.jpg - Thumbnail
Geometrische Wärmebrücke in einem Schlafzimmer (Außenwinkel an der nach außen ungedämmten Kellerdecke). Außenaufnahme im Folgenden Bild.Bauthermografie - 12.jpg - Thumbnail
Außenaufnahme des vorangegangenen Bildes. Wärmebrücke an den Decken sichtbar. Die geometrische Wärmebrücke des Außenwinkels erscheint von außen als Zone besonders guter Wärmedämmung - deshalb immer, zumindest schwerpunktbezogen, die Innenthermografie durchführen.Bauthermografie - 13.jpg - Thumbnail
Zu dicht an eine Außenwand gestellte Möbel wirken wie eine Innendämmung und senken die Wandoberflächentemperatur, was zur Schimmelpilzbildung führen kann. Couch, mit einer Ecke der Lehne rechts unten im Bild zusehen, stand kurz vorher an der Außenwand und führte zu der deutlich sichtbaren Abkühlung.Bauthermografie - 14.jpg - Thumbnail
Altes, breites Kastenfenster durch modernes, schmales Kunststofffenster ersetzt und ebenso außenbündig eingebaut. Der nun für den Wärmestrom verkürzte Weg über die Laibung hat hier eine Wärmebrücke entstehen lassen. Typischer Sanierungsfehler.Bauthermografie - 15.jpg - Thumbnail
Nachträgliche Bestimmung des Verlegemaßes der Heizschleifen der Fußbodenheizung nachdem der Estrich und die Fliesen aufgebracht waren (Qualitätsnachweis). Links FE zu sehen. Gliedermaßstab dient zur Abstandsbestimmung.Bauthermografie - 16.jpg - Thumbnail
Nachweis der Funktionstüchtigkeit von Kühldecken in Büroräumen. Aufgenommen über einen konvexen Spiegel.Bauthermografie - 17.jpg - Thumbnail



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© Ralf Zimmer